März 2009
Eine Fahrt durch das tschechische Filmschaffen seit 1989
Do 5.3. und Fr 6.3., 21h
Jízda - The Ride
Von Jan Svěrák, Tschechien 1994, 90 Minuten, OV/e
Mit Anna Geislerová, Radek Pastrňák, Jakub Špalek, Filip Renč
4 Preise und 5 Nominationen darunter: 2 Tschechische Löwen für beste Kamera und beste Musik 1995; Kristallglobus am Karlsbader Internationalen Filmfestival 1995
Zwei Jahre vor seinem Oscarerfolg „Kolya“ widmete sich Jan Svěrák (vor kurzem mit „Leergut“ hierzulande im Kino vertreten) dem Genre des Roadmovies und machte die Spontanität einer Fahrt ins Blaue zum prägenden Stilelement. Zwei Freunde kaufen sich ein billiges Auto, entfernen kurzerhand das Dach und fahren los. Ziellos wollen sie die Freiheit des Sommers geniessen und lassen sich auf ihrer Fahrt durch die böhmische Provinz von der Schönheit der Landschaft und zufälligen Entdeckungen leiten. Als sie unterwegs eine junge Frau aufgabeln, bringt das die Fahrgemeinschaft tüchtig durcheinander, zumal sie offenbar von ihrem eifersüchtigen Liebhaber verfolgt wird.
Do 12.3. und Fr 13.3., 21h
Fimfárum Jana Wericha
Von Aurel Klimt, Vlasta Pospíšilová, Tschechien 2002, 100 Minuten, OV/e
Mit Jan Werich, Ota Jirák
2 Preise und 2 Nominationen darunter: Tschechischer Kritikerpreis 2003
Der legendäre tschechische Schauspieler und Komiker Jan Werich veröffentlichte unter dem Fantasietitel „Fimfárum“ ein Märchenbuch, das wohl fast alle Tschechen gelesen haben. Fünf Episoden daraus (Die geizige Barka; Wenn das Laub von den Eichen fällt; Der furchtlose Franta; Der erfüllte Traum; Fimfarum) wurden mittels Puppenanimation und unter Verwendung von Werichs Erzählstimme aus Aufnahmen der 1960er Jahre zu einem Film zusammengestellt, in dem menschliche Schwächen im Mittelpunkt stehen. Dank des Erfolges gab es bereits eine Fortsetzung - ein dritter Teil ist derzeit in Arbeit.
Do 19.3., 21h - Im Anschluss an den Film ist bei Barbetrieb Gelegenheit zum Austausch geboten.
My a Matterhorn, Matterhorn a my - Wir und das Matterhorn, das Matterhorn und wir
Von Bernard Šafařík, Tschechien 2008, 57 Minuten, OV/d
In seinem neusten Dokumentarfilm beleuchtet Šafařík die Situation einiger jener 13 000 Tschechoslowaken, die nach dem jähen Ende des Prager Frühlings 1968 ihre Heimat verliessen und in der Schweiz eine neue Existenz aufbauten - viele von ihnen auch in Basel und Umgebung. Zu Wort kommen auch Schweizer, die als Helfer jedwelcher Art fungierten. Ergänzt wird die Dokumentation mit Materialien aus dem Archiv des Schweizer Fernsehens.
Der Regisseur selbst emigrierte 1968 nach Genf und studierte in Basel Philosophie, Geschichte und Literatur. Über diverse Engagements bei Zeitungen und Radiostationen führte ihn sein Weg zum Filmemachen. Sein inzwischen umfangreiches Filmschaffen (u.a. fürs Schweizer Fernsehen, ARD, ZDF und Tschechisches Fernsehen) wird international wahrgenommen.
Fr 20.3., 21h
Rok d'ábla - Year of the Devil
Von Petr Zelenka, Tschechien 2002, 88 Minuten, OV/e
Mit Jaromír Nohavica, Karel Plíhal, Čechomor, Jaz Coleman, Jan Prent
11 Preise und 5 Nominationen darunter: Findling- und FIPRESCI-Preis am Filmfestival Cottbus Festival des osteuropäischen Films 2002; 6 Tschechische Löwen (u.a. bester Regisseur und bester Film) 2003; Kristallglobus am Karlsbader Internationalen Filmfestival 2002; Preis Trieste am Trieste Filmfestival 2003
Regisseur Petr Zelenka nennt seinen Film “eine traurige Komödie über Engel”. Sie schildert das Zusammentreffen unterschiedlichster Charaktere mit seinen unvorhersehbaren Folgen: der berühmte tschechische Liedermacher, der mit einem Alkoholproblem kämpft; sein plötzlich verstummter Begleitmusiker, der sich eine Tournee mit einer Folkrockgruppe wünscht und so einem exzentrischen Dirigenten in die Quere kommt und der holländische Dokumentarfilmer, der in einer Entzugsklinik über die Geschichte stolpert und das dadurch anbrechende „Jahr des Teufels“ mit seiner Kamera begleitet. Dem Zuschauer bringt das eine abenteuerliche Reise voller überraschender Wendungen, Absurditäten und toller Musik - und Kennern einen spielerisch-ironischen Blick auf das Musikschaffen ebendieser Protagonisten.
Do 26.3., 21h
Je třeba zabít Sekala - Sekal has to die
Von Vladimír Michálek, Tschechien 1998, 110 Minuten, OV/e
Mit Olaf Lubaszenko, Boguslaw Linda, Jiří Bartoška
18 Preise und 6 Nominationen darunter: Grosser Jurypreis am Internationalen Filmfestival Los Angeles 1998; Gewinner von 10 Tschechischen Löwen (u.a. Kritikerpreis, bester Darsteller Olaf Lubaszenko, beste Kamera, bester Regisseur, bester Film, beste Musik) 1999; Zuschauerpreis am Filmfestival Pilsen 1999; 3 Polnische Filmpreise 1999
Ein tschechisches Dorf während dem 2. Weltkrieg: Der verbitterte Sekal, ein Kollaborateur mit den Deutschen, erwirbt sich sukzessive durch Einschüchterungen und Drohungen die Ländereien der Gutsbesitzer. Wer sich ihm widersetzt, wird bei den Deutschen verleumdet. Als seine Forderungen immer dreister werden, entscheiden die Dorfältesten, Feuer mit Feuer zu bekämpfen. Sekal muss sterben. Der frisch zugezogene Schmied Baran, der als einziger Sekal bislang furchtlos begegnet ist, wäre der ideale Vollstrecker des Plans. Aber was sollte den Fremdling zu solch einer Tat bewegen?
Michálek gelingt nicht nur die Demaskierung einer bigotten Gesellschaft; er erzeugt auch eine bedrückende Atmosphäre, die dem Film den modrigen Hauch von Neo-Noir verleiht. Ein Unikum in der tschechischen Filmlandschaft.
Fr 27.3., 21h
Obsluhoval jsem anglického krále - I Served the King of England
Von Jiří Menzel, Tschechien 2006, 120 Minuten, OV/e
Mit Ivan Barnev, Oldřich Kaiser, Julia Jentsch, Martin Huba
8 Preise und 2 Nominationen darunter: FIPRESCI an den Internationalen Filmfestspielen Berlin und Nomination für den Goldenen Bären 2007; Goldene Kamera am International Festival of Film Camera «Brothers Manaki» in Mazedonien 2007, 4 Tschechische Löwen (beste Kamera, bester Regisseur, bester Film, beste Nebenrolle) 2007; nominiert für den European Film Award in der Kategorie Zuschauerpreis 2007
Jan Dítě erinnert sich an seine Jugendjahre, als er als Kellner sein persönliches Glück sucht und dabei die Wirren der Geschichte vor und während der deutschen Besatzung und der späteren Machtergreifung durch die Kommunisten miterlebt. Dabei nimmt er die Höhen und Tiefen, die ihm das Schicksal zukommen lässt, stets unbeirrt hin und verfolgt seinen Traum vom Reichtum mit naiver Gelassenheit.
Nach einer längeren Pause, in der er sich exklusiv dem Theater gewidmet hatte, kehrt Regisseur Jiří Menzel mit einer Verfilmung eines Werks von Bohumil Hrabal zurück zur grossen Leinwand. Es ist bereits das sechste Mal, dass Hrabal ihm als Grundlage für seine filmische Arbeit dient.